60plus Oberpfalz fordert mehr neutrale Pflegestützpunkte

60plus Oberpfalz bei der Klausurtagung
Reinhold Strobl

27. Januar 2026

Jede Familie kann von heute auf Morgen von einem Pflegefall betroffen sein. Was tun? Wo kann ich mich hinwenden? Welche Hilfe kann ich bekommen? Mit diesem Thema beschäftigten sich deshalb Mitglieder der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus Oberpfalz bei einer Klausurtagung in Weiden. SPD-AG 60plus-Bezirksvorsitzender Reinhold Strobl hatte dazu die Vorstandsvorsitzende der „Pflegenden Angehörigen e.V.“, Kornelia Schmid (Amberg) eingeladen. Kornelia Schmid pflegte selbst über viele Jahre hinweg ihren Mann zuhause. Sie weiß, wie wichtig z.B. neutrale Pflegestützpunkte für Pflegende sind. Deutschlandweit ist sie eine begehrte Gesprächspartnerin. In ihrer bundesweiten Facebook-Gruppe befinden sich inzwischen 34.000 Mitglieder.

Eigentlich, so Schmid, müssten alle, die in Deutschland Verantwortung für Prävention tragen, begeistert sein: In fast allen der rund fünf Millionen Pflege-Haushalte gebe es potenzielle „Präventions-Motoren“ – Pflegende Angehörige mit engen, oft jahrzehntelangen Beziehungen zu genau den Menschen, für die präventive Maßnahmen gedacht seien. Bezirksrat Bruno Lehmeier betonte, dass es Ziel eines jeden Menschen sei, die Eigenständigkeit so lange wie möglich zu erhalten.

Inzwischen gibt es in Deutschland insgesamt etwa 700 Pflegestützpunkte. Diese Punkte bieten Unterstützung und Beratung zu verschiedenen Aspekten der Pflege. Als Kornelia Schmid mit ihrer Arbeit begann, gab es in Bayern 9 neutrale Pflegestützpunkte – jetzt sind es etwa 58. In der Oberpfalz gibt es nur 1 neutralen Pflegestützpunkt (Regensburg). Projekte, so Kornelia Schmid, gebe es genügend. In Bayern gebe es mehr als 600.000 pflegebedürftige Menschen – Tendenz steigend. In der Oberpfalz sei es so, dass es auf 1.000 Einwohner etwa 52 Pflegebedürftige gebe. Der Wert der Arbeit der Pflegenden Angehörigen würde auf etwa 206 Mrd. € geschätzt. Sie bemängelnde auch, dass jedes Bundesland eigene Regelungen für Entlastung habe.

Deshalb seien neutrale Pflegestützpunkte in Deutschland eine wichtige Anlaufstelle für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sowie für Menschen, die von Pflegebedürftigkeit bedroht sind. Die Beratung für die Nutzer ist kostenfrei. Die Finanzierung erfolgt über die Pflegekassen und Kommunen, wobei die Pflegekassen gemeinsam mit kommunalen Trägern Pflegestützpunkte einrichten.

Zweck der Förderung sei es, so das Landesamt für Pflege mit Sitz in Amberg, ein auf Dauer angelegtes und landesweites Beratungsangebot für Menschen mit Pflegebedarf sicherzustellen. Zuwendungsempfänger seien die Kommunen bzw. Landkreise, die sich an der Trägerschaft eines Pflegestützpunktes beteiligen. Pflegestützpunkte könnten eine Förderpauschale in Höhe von jährlich bis zu 20.000 Euro für eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft beantragen. Pflegestützpunkte würden eine kostenfreie und unabhängige Beratung für Pflegebedürftige und Angehörige bieten, würden bei der Beantragung des Pflegegrades und den Leistungen unterstützen, gäben Beratung über ambulante Dienste, der Tagespflege und den Pflegeheimen.

Wichtig seien auch Informationen zur Wohnraumanpassung und finanziellen Zuschüssen und den Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige. Sie bieten auch Hausbesuche & Case-Management bei komplexem Pflegebedarf an. Die derzeitige Situation in der Oberpfalz, so Reinhold Strobl, sei nicht zufriedenstellend: „Hier haben wir noch viel zu tun.“

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